TAP Air Portugal
Vor 6 Tagen

Das haben Lufthansa und Portugal vereinbart

TAP Air Portugal Airbus A330-900
TAP Air Portugal Airbus A330-900, © Airbus

Verwandte Themen

FRANKFURT - Lufthansa ist dem Einstieg bei TAP Air Portugal einen entscheidenden Schritt näher. Jetzt werden erste Details bekannt. Lufthansa hat Air France-KLM mit einem 16 Prozent höheren Gebot und Investitionszusagen ausgestochen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum TAP-Deal im Überblick.

Auf Italien folgt Portugal: Lufthansa will sich weiter nach Südeuropa ausdehnen. Europas größter Luftverkehrskonzern hat von der portugiesischen Regierung den Zuschlag für eine relevante Minderheitsbeteiligung von 44,9 Prozent an der staatlichen Airline TAP Air Portugal  erhalten.

Auch wenn die genaue Ausgestaltung der Verträge und die wettbewerbsrechtliche Genehmigung der EU noch ausstehen: Der MDax-Konzern hat gute Aussichten, nach der Übernahme der italienischen ITA Airways einen weiteren wichtigen Luftverkehrsmarkt in Europa zu dominieren.

Was wurde genau vereinbart?

Die portugiesische Regierung verkauft mindestens 44,9 Prozent der Anteile an der staatlichen "Transportes Aéreos Portugueses" an die Lufthansa. Der Gesamtwert der Transaktion beläuft sich einschließlich der für die Beschäftigten reservierten fünf Prozent auf 1,201 Milliarden Euro.

Sollten die Mitarbeiter ihr Erwerbsrecht nicht nutzen, kann der deutsche Konzern auch diese Anteile übernehmen. Die Mehrheit bleibt zunächst beim Staat. Der 44,9 Prozent Basisanteil ist Lufthansa 1,025 Milliarden Euro wert.

Im Bieterrennen war die British-Airways-Mutter IAG frühzeitig ausgestiegen. Von Lufthansa und Air France-KLM verlangte die Regierung in Lissabon nach ersten Angeboten Nachbesserungen. Für die deutsche Offerte sprach zuletzt, dass der vereinbarte Kaufpreis vollständig in Geldmitteln und nicht per Aktienpaketen erfolgen soll.

Das Angebot der Lufthansa sei um 16 Prozent höher ausgefallen als das des Konkurrenten und mit geringeren Unsicherheiten verbunden, begründete Portugals Premierminister Luis Montenegro die Entscheidung seines Kabinetts.

Dies sei "die beste Wahl für die Zukunft des Unternehmens und der beste Schutz für das nationale Interesse". Durch die Integration in die Lufthansa werde TAP Teil einer der größten Airline-Gruppen Europas, die nach Umsatz sogar die viertgrößte weltweit sei.

"TAP Air Portugal ist eine starke und profitable Airline, unser langjähriger Partner in der Star Alliance und als führende Fluggesellschaft auf Südatlantik-Strecken international erfolgreich", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Sie hat hervorragende Mitarbeiter und ein überzeugendes Geschäftsmodell."

Die Lufthansa verpflichtet sich den amtlichen Angaben zufolge, die Flotte von TAP auf 117 Maschinen im Jahr 2035 und nach Fertigstellung des neuen Flughafens von Lissabon auf 130 Flugzeuge auszubauen. Dazu sollen nach 2030 acht Airbus A350-900 von der Lufthansa zu TAP wechseln. Auch die Flotte der Regionalfluggesellschaft Portugália soll modernisiert werden.

Wie steht die TAP da?

Die Lufthansa beteiligt sich an einer durchsanierten Airline mit guten Wachstumsperspektiven. Der Staat hatte eine erste Privatisierung aus dem Jahr 2015 in der Corona-Krise rückgängig gemacht und rund 3,2 Milliarden Euro in die Gesellschaft gepumpt.

TAP Air Portugal verfügt nun über eine junge Airbus-Flotte mit gut 100 Flugzeugen und hat 2025 das vierte Jahr in Folge einen Gewinn eingeflogen, der mit 4,1 Millionen Euro bei einem Umsatz von 4,3 Milliarden Euro allerdings gering ausfiel. Im ersten Halbjahr 2026 gab es hingegen wegen der hohen Kerosinpreise einen Verlust von 99,2 Millionen Euro. Das Unternehmen mit rund 9.400 Beschäftigten hat zudem einen von der EU überwachten Restrukturierungsplan abgeschlossen und darf wieder wachsen.

Warum ist Portugal so wichtig für die Lufthansa?

Auf der iberischen Halbinsel ist der Konzern neben der dominierenden spanischen IAG-Tochter Iberia bislang nur schwach vertreten. Zwar erscheint der portugiesische Heimatmarkt der TAP vergleichsweise klein, die wahre Bedeutung der Airline liegt im engen Netz in das größte Land Südamerikas, das portugiesischsprachige Brasilien.

"Aus strategischer Sicht ist die TAP für Lufthansa ein sehr attraktiver Kandidat", sagt der Luftverkehrsexperte Jürgen Krumtünger von der Beratungsgesellschaft Prologis. Die Portugiesen böten mit Lissabon ein etabliertes Drehkreuz, zahlreiche Start- und Landerechte sowie eine starke Marktposition in Brasilien und ganz Südamerika.

Zudem gehe es für Lufthansa darum, sich über den Zukauf Wachstum zu sichern und im Vergleich zu IAG und Air France-KLM in Europa nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat die Expansionspolitik unter anderem auf der letzten Hauptversammlung des Unternehmens verteidigt. Die Strategie sei kein Selbstzweck. Als nationale Airline mit nur einem Heimatmarkt wäre Lufthansa global nicht wettbewerbsfähig, so die Argumentation. Aktuell würden nur noch rund 20 Prozent des Gruppenumsatzes in Deutschland generiert.

Was verspricht sich die Regierung in Lissabon von dem Deal?

Letztendlich geht es um eine Stabilisierung des heimischen Luftverkehrsmarkts. Die Regierung will den Flughafen Lissabon mit seinen Fernflügen, weitere Flughäfen sowie die Arbeitsplätze bei der Tap erhalten. Positiv ist auch der Bau eines Wartungswerks mit 700 Arbeitsplätzen durch die Lufthansa Technik südlich von Porto, der aber unabhängig vom TAP-Einstieg ist.

Für die Airline scheint Lufthansa ein geeigneter Partner zu sein, zumal man bereits im Airline-Bündnis Star Alliance eng zusammenarbeitet. Die Deutschen haben in Europa etliche Fluggesellschaften vollständig übernommen, ohne die Marken einzustellen oder deren Drehkreuze aufzugeben.

Zum Konzern gehören die ehemaligen Staatsairlines der Schweiz, Belgiens und Österreichs. Bei der italienischen Ita hält der deutsche Konzern derzeit noch eine Minderheit, hat aber bereits die Aufstock-Option auf 90 Prozent gezogen. Mit einem Vollzug wird zum Anfang des kommenden Jahres gerechnet.

Was haben die Passagiere davon?

Die für Kunden relevanten Details sind zunächst schwer absehbar. Wenn Tap enger in den Lufthansa-Konzern eingebunden wird, werden üblicherweise die jeweiligen Streckennetze auf Überschneidungen überprüft und aus Sicht des Unternehmens optimiert. Für Kunden kann das ein geringeres Angebot und höhere Preise auf Strecken ohne externe Konkurrenz bedeuten.

Deswegen unterliegen derartige Übernahmen der EU-Wettbewerbskontrolle. Beim ITA-Einstieg musste die Lufthansa auf Druck aus Brüssel Start- und Landerechte in Rom und Mailand an die Konkurrenz abgeben. Auf der anderen Seite kann Tap im Großkonzern Kostenvorteile nutzen und zusätzliche Flüge anbieten.

Ist eine vollständige Übernahme auch bei der TAP geplant?

Das ist keineswegs beschlossene Sache. Die Lufthansa hat wie Air France-KLM parallel ein Angebot für die vollständige TAP-Übernahme vorgelegt. Laut Regierung wäre dafür eine zweite Phase mit einem eigenständigen Verfahren notwendig.

Durch Kartellverfahren dürfte Lufthansa ohnehin nicht vor 2028 formell bei TAP Air Portugal einsteigen.

Lufthansa bewertet die vollständige portugiesische Airline mit 2,552 Milliarden Euro, einschließlich des Aufschlags einer Kontrollprämie von rund 150 Millionen Euro. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, dass er bei Übernahmen die vollständige Kontrolle bevorzugt.

Für den Verkauf sämtlicher Anteile würde die Regierung jedoch die Unterstützung der Opposition, vor allem der Sozialisten (PS) oder der rechtspopulistischen Chega im Parlament, benötigen, die ihr allerdings derzeit fehlt.

Ein Lockmittel: Lufthansa würde Portugal bei einer Komplettübernahme von TAP Air Portugal als eigenen Aktionär akzeptieren. Im Gegenzug für die vollständige Übernahme in Phase 2 soll Portugal nach dem Angebot fünf Prozent am Lufthansa-Konzern erhalten.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: LUfthansa | 14.10.2026 15:35

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 15.10.2026 - 22:11 Uhr
In Porto (!!!!) will LH ein Langstreckendrehkreuz einrichten und die deutschen Märkte Berlin, Düsseldorf und Hamburg werden nicht nur ignoriert sondern über Verkehrsrechte sogar aktiv bekämpft. Ich bin sicher, dass hat die portugisische Regierung erzwungen - die deutsche Regierung handelt leider nicht so. Lufthansa ist keine deutsche Airline mehr: das ist für das private Unternehmen ok und vielleicht ist es auch nachvollziehbar, aber Lufthansa sollte nicht mehr für Deutschland sprechen dürfen. Dafür engagiert sie sich einfach zu wenig im Land! FRA/MUC und eine stagnierende EW sind in einer polyzentrischen Wirtschaftsnation einfach nicht genug.

Die Lufthansa ist nach wie vor ein deutsches Unternehmen, die Lufthansa Group (!) aber einer der drei Großkonzerne in der EU, die im Legacy-Segment den europäischen Markt dominieren. Nicht von ungefähr ist deshalb die EU-Kommission für die kartellrechtliche Prüfung zuständig, nicht das Bundeskartellamt. Luftfahrt ist in Europa schon lange keine rein nationale Angelegenheit mehr - und zumindest in diesem Punkt hat Herr Spohr ja absolut Recht: Wenn in Europa in der Luftfahrt jeder der diversen Mittel- und Kleinstaaten sein eigenes "Ding" zu machen versuchen würde, die europäische Luftfahrt würde den globalen "Big Playern" der Branche aus den USA und China nicht viel entgegen zu setzen haben. Man sollte es deshalb umgekehrt sehen: Dass es mit FRA und MUC in Deutschland zwei international wettbewerbsfähige Hubs gibt, ist alles andere als selbstverständlich. Dass es mit Köln/Bonn und Leipzig zudem auch noch zwei international wettbewerbsfähige Cargo-Hubs in Deutschland gibt auch nicht. Dass es mit Düsseldorf, dem BER, HAM und Stuttgart obendrein gleich drei bis vier internationale Airports der zweiten Kategorie gibt dito. - Dass es in Portugal, einem Land mit immerhin ca. 10 Millionen Einwohnern, einen Hub unterhalb der Größenordnung des MUC (ca. 43 Mill. PAXE in MUC versus ca. 35 Mill. PAXE in Lissabon 2025) und einen internationalen Airport der zweiten Kategorie in etwa der Größenordnung des HAM (Porto - beide ca. 15 Mill. PAXE 2025) gibt - warum sollten wir in Deutschland darauf neidig sein? In Relation entsprechen die portugiesischen Zahlen in etwa den deutschen - und das ist gut für Europa.

Dieser Beitrag wurde am 15.10.2026 22:15 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 15.10.2026 - 20:36 Uhr
In Porto (!!!!) will LH ein Langstreckendrehkreuz einrichten und die deutschen Märkte Berlin, Düsseldorf und Hamburg werden nicht nur ignoriert sondern über Verkehrsrechte sogar aktiv bekämpft. Ich bin sicher, dass hat die portugisische Regierung erzwungen - die deutsche Regierung handelt leider nicht so. Lufthansa ist keine deutsche Airline mehr: das ist für das private Unternehmen ok und vielleicht ist es auch nachvollziehbar, aber Lufthansa sollte nicht mehr für Deutschland sprechen dürfen. Dafür engagiert sie sich einfach zu wenig im Land! FRA/MUC und eine stagnierende EW sind in einer polyzentrischen Wirtschaftsnation einfach nicht genug.


Stellenmarkt

Schlagzeilen

aero.uk

schiene.de

Meistgelesene Artikel

Community

Thema: Pilotenausbildung

FLUGREVUE 09/2026

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden